Tuesday, 30 December 2008

We 've moved!


Das Haus sieht auf den Bildern spektakulärer aus, als es sich von innen anfühlt, also bitte nicht überbewerten ;-)









Friday, 26 December 2008

Weihnachten im Zelt

Schließlich finden wir dann doch noch zu unserer weihnachtlichen Stimmung ... ein wenig zumindest. Adrian und Leona bemalen im Gästehaus große Schneeflocken, Tannenbäume, Schlitten, Glocken und andere surreale Gegenstände und schließlich fahren wir gegen 19:00 in unser neues Haus in Kampala-Muyenga, weil es sich in den eigenen Wänden doch schöner feiert.


Dort angekommen, treffen wir leider nicht undern Wächter David, sondern nur seine Mutter, die uns freundlich das Tor öffnet, aber leider keinen Schlüssel für das Haus hat. Den hat David. Und David ist als Pianist zu einem Gottesdienst am anderern Ende von Kampala abgezwitzschert. Nun droht der Weihnachtsabend doch zu kippen :-(
David's Mutter erkennt den Ernst der Lage und ruft ihn gleich an und beordert ihn zurück - ich weiß nicht, ob er jetzt mitten im "Halleluhja!" abgebrochen hat, ist mir aber ehrlich auch ein kleines bisschen egal. Er kommt gegen 20:00 und entschuldigt sich vielmals. Fein.
Wir stürmen hinein in das noch leere Haus und fallen über den armen kleinen Plastikweihnachtsbaum her, als ob er aus purem Gold wäre. Dann ist es tatsächlich noch echt nett und wir schmücken den Baum bis gegen halb Zehn.



Wir schaffen es dann, die Kinder zu überzeugen, dass hier in Uganda Weihnachten erst am 25.12. am Morgen stattfindet, weil der Weihnachtsmann ja auch erst die ganze Nacht durchfliegen muss - wie wir vor knapp drei Wochen. Sie kaufen die Story und wir fallen alle 4 totmüde im Gästehaus ins Bett. Am nächsten Morgen sausen wir alle frisch hinunter zum Haus und ... tatsächlich! Der Weihnachtsmann war da! Große Begeisterung und Freude :-))
Hier das übliche gestellte Weihnachtsfoto:


Und hier das spontane Foto mit mehr Normalität:


Das ist aber noch nicht alles. Wir waren bei einer sehr netten Bekannten zur Weihnachtsfeier eingeladen. Gartenparty mit dem Thema "Woodstock" (passende Kleidung erwünscht), Barbecue, Mucke, Tanzen und übernachten im Zelt im Garten auf dem Grundstück.


Übernachten im Garten auf dem Grundstück? Yepp, das Haus mit Grundstück könnte genauso gut in Miami/Florida stehen. Ist leider nicht ganz unser Budget, inzwischen haben die Mieten nämlich auch hier in Kampala mächtig angezogen...

Am nächsten Morgen Katerfrühstück und dann geht's wieder zurück, wir müssen langsam anfangen unsere Sachen im Gästehaus wieder einzupacken und rüber ins neue Haus in Muyenga zu schaffen.

Wednesday, 24 December 2008

Unweihnachten



Advent, Advent, ein Lichtlein brennt, erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier, … So sollte es normalerweise sein.

Nicht ganz so ist es dieses Jahr gelaufen. Kein Schnee, keine roten Zipfelmützen, keine Weihnachtsmärkte und kein Glühwein, darauf waren wir schon vorbereitet. Aber dann…dann wollten wir unbedingt noch ein Auto kaufen, damit Mirella sich selbständig bewegen kann, sobald ich ab dem 5.1. mit meinem Dienstwagen bei der Arbeit unterwegs bin: „Schenk mit ein Auto zu Weihnachten“ war die klare Anweisung!

In den vergangenen Tagen hatten wir schon einige Autohändler abgeklappert, die aber entweder nur Wagen mit Automatikgangschaltung hatten, oder „neuere Modelle“ (d.h. aus den Jahren ´97, ´98, ´99 usw.), die dann zu teuer für unser Budget sind. Alle Wagen hier kommen aus Japan und werden als Gebrauchtwagen von dort importiert und dann hier weiterverkauft. Zur Debatte stehen Modelle wie Toyota Landcruiser Prado, Nissan Patrol, Nissan Terrano, Mitsubishi Pajero, Toyota Rav4, Toyota Hilux, …

Da meine Kenntnisse von Autos und Motoren begrenzt sind haben wir über einen Bekannten einen Automechaniker empfohlen bekommen, der uns bei der Auswahl eines guten Autos helfen soll, sein Name: Godfrey. Die ersten paar Autos, die wir gefunden hatten, hatten entweder zu schwache Motoren oder hatten Öl gespuckt. Dann rief er mich am 23.12. Abends an und sagt, er könnte mir morgen früh um 09:00 einen gebrauchten Toyota Prado zeigen, der zu verkaufen wäre.

Ok, ich fahre also am 24. morgens zu seiner Werkstatt. Wir fahren ein paar Straßen weiter und er steigt kurz aus, um mit jemandem etwas zu klären. Er kommt zurück und sagt mir, das Auto wäre im Stadtzentrum, schlappe 45 Minuten Autofahrt von hier. Also gut, wir stürzen uns in den morgendlichen Stau und finden schließlich den Toyota Prado und den Verkäufer. Wir drehen einige Runden, probieren den Allrad aus, soweit ganz nett, aber der Wagen scheint Öl zu verlieren. Schade auch, dann fahren wir halt wieder zurück. Es ist gegen 12:00, kaum sind wir in der Werkstatt, schon biegt ein weiterer Toyota Prado ein, der auch zu verkaufen ist, aber - sogar für meine Laienaugen erkennbar - sich in deutlich schlechterem Zustand befindet. Eine Proberunde mit dem Wagen bestätigt die Erkenntnis. Nein Danke. Noch auf dem Rückweg meldet mir Godfrey strahlend, dass gleich noch jemand kommen wird, der auch seinen Toyota Prado verkaufen will. Etwas ungeduldig schaue ich auf die Uhr, es wird langsam 15:00. Der neue Wagen kommt, wir fahren Probe und ich spüre schon so langsam die Gedanken von Godfrey: „Jetzt komm schon, ich hab dir drei Toyota Prados gebracht, jetzt nimm halt diesen hier!“ Tatsächlich macht der Wagen einen ganz guten Eindruck. Ich scherze und verhandle noch ein wenig mit dem Mann, den ich für den Verkäufer halte (Saad) und nachdem ich eine Million Shilling nach unten gehandelt habe, ruft er seinen Bruder (Jinju) an, denn der ist offensichtlich der eigentliche Verkäufer. Nach langem hin und her einigen wir uns schließlich auf 17.600.000 Uganda Shilling (ca. 7000 €). Es geht noch ein wenig hin und her und ich muss noch ein paar Euro in Shillinge wechseln, und dabei ist auf jeden Fall eines komisch: Ständig tauchen neue Leute auf, die bei dem Deal irgendwie mitmischen. Als wir schließlich zur Vertragsunterzeichnung kommen, sind wir ein stattliches Team von 8 Personen!


Auch der Vertrag ist ein echtes Unikat…



Inzwischen habe ich übrigens herausgefunden, dass ich zu keinem Zeitpunkt mit dem Eigentümer des Vertrages gesprochen habe. Das habe ich festgestellt, als die Autopapiere auf mich umgeschrieben wurden. Die beiden Verkäufer-Brüder haben den Wagen „für ihren Bruder“ verkauft. Als ich sie naiv fragte, ob sie und der Eigentümer des Wagens denn die gleiche Mutter hätten, haben sie mich ausgelacht: natürlich nicht, aber sie wären dicke Freunde, das wäre dann fast so wie Bruder. Aha. Ich frage mich, wieviele Agents und Zwischenhändler ich da eigentlich bedient habe. Außerdem: Heute hat der Wagen eine dicke Dieselpfütze auf dem Parkplatz hinterlassen und drinnen im Motor habe ich einen Aufkleber entdeckt, auf dem steht, dass der Keilriemen im Juni 2007 beim Kilometerstand von 201.000 gewechselt wurde. Hä? Der Kilometerstand im Tacho zeigt nur 141.000 an!? Tja, ich werde wohl eine stattliches Sümmchen für Wartung und Instandsetzung beiseite legen müssen, damit auch mein Mechaniker Godfrey sich über etwas freuen kann ;-)

PS: Ach ja... gegen 19:00 war es dann soweit. Der Vertrag war unterzeichnet, der Wagen bezahlt, die Verkäufermannschaft verabschiedet und Weihnachten konnte beginnen.

Thursday, 18 December 2008

Kulturschock in Kampala

Wir sind kurz davor, in unser provisorisches Haus in Muyenga (Stadtteil im Südosten von Kampala) einzuziehen. Das Haus wird bis auf die Küche komplett leer sein, d.h. wir brauchen zumindest mal Matratzen und Moskitonetze. Also wagen wir uns mal zu viert ins Stadtzentrum, oder naja, zumindest in die Nähe davon. Von einer Kollegin hatten wir den Hinweis bekommen, wo es in der Nähe einer Shopping Mall eine gute Matratzenfabrik geben soll, die die Matratzen passend zu den Betten herstellt. Denn Normgrößen gibt es hier nicht. Der Schreiner baut das Bett nach Augenmaß und meistens passt dann auch irgendeine Matratze irgendwie. Nach langem Suchen in einem Industriegebiet, über Dirtroads, durch Hinterhöfe und schlammige Schlaglöcher, in denen ein LKW stecken geblieben war und die wir nur mithilfe unseres coolen Allradantriebs durchwaten konnten, kamen wir zum Ziel und haben nun zwei schmucke Schaumstoffmatratzen 'high density' und 6 inch tall bestellt, die wir uns morgen dort für insgesamt 80 € abholen können.
Dann zur "Lugogo Shopping Mall".
Vom großen Parkplatz nach amerikanischem Vorbild geht es in eine riesige klimatisierte Halle und plötzlich fühlte ich mich zurückteleportiert: Weihnachtsmusik trällert aus den Lautsprechern, über Lautsprecher ruft jemand "Mrs. Sambuya, please call 189, please call 189", rechts hinten spielen ein paar Stereoanlagen, die gerade von Kunden ausprobiert werden, und links sind zwei Kinder dabei, die Spielzeugregale auszuräumen. Hier gibt es einfach ALLES zu kaufen. Und es ist noch nicht mal teurer als in Deutschland. Hilfe! Sind wir nicht gerade eben noch mit Allradantrieb an Wellblechhütten vorbei durch fast knietiefe, mit Wasser und Matsch gefüllte Schlaglöcher gefahren? Ich bin fassungslos und hole in wenigen Sekunden meinen Kulturschock nach, der mir in meinen ersten beiden Wochen bisher ehrlich gesagt erspart geblieben ist.





Soll dieser Konsumtempel hier das Zielszenario sein, das es mit Entwicklungshilfe zu erreichen gilt? Viele Ugander würden diese Frage wahrscheinlich bejahen. Für mich ist die Antwort eigentlich eher Nein. Doch: Ist es meine Aufgabe, dies für die Menschen hier zu entscheiden? Während unserer Vorbereitung in Bad Honnef haben einige Kollegen genau über dieses Thema diskutiert: "Entwicklungshilfe? Ja, aber Entwicklung wohin? Nach welchen Normen und Vorbildern?" Während ich die Diskussion damals etwas zu abgehoben und überflüssig empfand, dämmert mir nun, dass ich darauf bald selber eine Antwort werde finden müssen.

Puh - es gibt insgesamt zwei von diesen Shopping Malls in Kamapala, ich habe inzwischen schon fast Angst vor der anderen "Garden City Shopping Mall", denn die soll noch größer sein ;-)

Wednesday, 17 December 2008

Gemischte Gefühle


Kennenlernen bei meiner Partnerorganisation: Das erste Schnuppern für mich während eines zweistündigen Meetings zum Jahresende, in dem die Jahresplanung 2009 vervollständigt wird, die im November bereits begonnen wurde. Wir arbeiten mit Notebook und Farbbeamer, der allerdings nur mehrere Abstufungen von Hellblau zu kennen scheint. Der Beamer wird anfangs so nah an der Wand aufgestellt, dass das Bild an der Wand nur etwa einem 19 Zoll Monitor entspricht. Nach kurzer Diskussion wird der Beamer dann aber doch weiter entfernt von der Wand platziert ;-)
Es sitzten 8 Mitarbeiter von AMFIU (Association of Microfinance Institutions of Uganda) im Besprechungsraum, etwa zwei Drittel der gesamten Belegschaft. Meine erste banale Erkenntnis im abgedunkelten Raum: Die sind wirklich schwarz! Wenn Solomon, der Operations Manager am anderen Ende des Tisches lacht, dann sehe ich seine breite, weiße Zahnreihe, ansonsten kaum etwas von ihm. Etwas Unheimliches hat das schon, aber das ist natürlich Unsinn.
AMFIU ist ein Verband von Mikrofinanz-Instituten (MFIs), der es sich zur Aufgabe gemacht hat, (1) die Interessen seiner Mitglieder (=MFIs) gegenüber der Regierung und Nicht-Regierungs-Organisationen zu vertreten und (2) dafür zu sorgen, dass die Qualität der Dienstleistungen seiner Mitglieder sich verbessert. Vor allem bei Punkt (2) soll ich mit ins Spiel kommen. Es geht um den Auf- und Ausbau passender Systeme, um relevante Daten zu erfassen, sie intelligent auszuwerten und wirksam zu veröffentlichen.
Was ich dort an Strategiepapieren und Businessplänen sehe, ist beeindruckend. Auch die Aktivitätenplanung für 2009 auf vier Excel 2007 Spreadsheets liest sich gut. Dass im Laufe des Meetings immer häufiger "Technical Advisor" (das bin ich) in der Spalte "Lead Responsible" eingtragen wird, amüsiert mich etwas, stimmt mich aber auch etwas nachdenklich. Vom Geschäftsführer wurde ich nett und für afrikanische Verhältnisse fast überschwenglich begrüßt. Von allen anderen ebenfalls freundlich und höflich. Von meinem direkten Counterpart habe ich aber nicht viel mehr als Desinteresse gespürt. Gleichzeitig hatte sie sich während des Meetings in der Aktivitätenplanungsliste mehrfach ausgetragen und mich an ihrer Stelle eingetragen - wahrgenommen hat sie mich also auf jeden Fall - bloß als was?
Die etwas naive Hoffnung, dass ich hier ankomme und die Leute mich strahlend und dankbar in Empfang nehmen, weil nun endlich der lang ersehnte Helfer und Retter angekommen ist, verflüchtigt sich in diesen zwei Stunden vollständig - zurück bleibt ein ernüchternder, fahler Geschmack. Bei denjenigen, denen man helfen möchte, erst einmal die Bereitschaft zu erzeugen, sich helfen zu lassen, wird wohl meine erste Aufgabe sein. Aber fairerweise muss ich sagen: wie würde ich mich fühlen, wenn bei meiner letzten Arbeitsstelle plötzlich ein zwei Meter großer Schwarzer aufgetaucht wäre, um mich zu beraten, wie ich meine Arbeit besser zu machen habe... ein paar Vorbehalte hätte ich schon gehabt, auch wenn sie sorgfältig kaschiert gewesen wären.